Qualitätsstandards
Qualitätsstandards
der Psychologischen Beratung bei p.ink door
(Stand: Januar 2026)
Beraterinnen, die bei p.ink door im Rahmen der Psychologischen Beratung arbeiten, orientieren sich in ihrer Arbeit grundsätzlich an den Berufsethischen Richtlinien des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Psychologinnen und Psychologen e.V (Stand 2022). Zugleich gilt das interne “Handbuch Beratung”, Grundlagen traumasensibles Arbeiten p.ink door, die internen Richtlinien, sowie die Vision, Mission und Werte von p.inkdoor.
Im Folgenden werden Qualitätsstandards der Psychologischen Beratung bei p.ink door erläutert, die außerdem Richtlinien darstellen. Diese dienen nach außen der Beschreibung der Qualität der Psychologischen Beratungsarbeit. Nach innen sind sie ein Mittel, Prozesse vereinheitlicht festzuhalten, um die Qualität der eigenen Arbeit zu erhöhen und immer wieder zu evaluieren.
Im Rahmen der Mission p.ink doors (ganzheitliche, bedürfnisorientierte Beratung und praktische Lebensbegleitung für Frauen mit Bezug zu Prostitution), hat die Psychologische Beratung die Aufgabe, Frauen ab 18 Jahre psychologisch in der Art und Weise und in dem Ausmaß zu unterstützen, wie sie es brauchen und sich wünschen. Im Rahmen dessen wird Frauen angeboten, mit einer Psychologin zu sprechen, die zuhört, ernst nimmt und einen Raum bietet, sich gemeinsam mit einschneidenden Erlebnissen auseinanderzusetzen. Außerdem soll z.B. gemeinsam ein persönlicher Umgang mit Lebensproblemen, Krisen und belastenden Gefühlen erarbeitet werden, Stabilisierung erfahren, sowie Stärken und Ressourcen entdeckt und entwickelt werden.
Inhalt
1. Strukturqualität
1.1 Kostenlosigkeit, Freiwilligkeit und Verbindlichkeit
1.2 Ethische Grundlagen
1.3 Qualifikation der Beraterin
1.4 Kooperation und Vernetzung
1.5 Räumlichkeiten und Personal
2. Prozessqualität
2.1 Rahmenbedingungen der Sitzungen
2.2 Ausschluss psychologischer Beratung und Abbruchkriterien .
2.3 Methoden und Haltung der Psychologischen Beratung
2.4 Fallbesprechungen, Teamkooperation und Supervision
2.5 Fort- und Weiterbildung ..
2.6 Einheitliche Prozesse
2.7 Vertraulichkeit und Datenschutz
3. Ergebnisqualität
3.1 Beschwerdemanagement .
3.2 Evaluation
1. Kostenlosigkeit, Freiwilligkeit und Verbindlichkeit
Die Psychologische Beratung ist für die Klientinnen kostenlos.
Die Klientinnen bestimmen selbst, ob sie das Angebot der Psychologischen Beratung in Anspruch nehmen und in welcher Frequenz sie Sitzungen wahrnehmen können.
Es steht Klientinnen zu jeder Zeit frei, die Psychologische Beratung zu unterbrechen oder zu beenden.
Zentral ist, die Verbindlichkeit und aktive Mitwirkung der Klientinnen, um nachhaltige Verbesserungen der Lebenssituation zu bewirken. Zum Schutz der Ressourcen der Mitarbeiterinnen und zur strukturgebenden Unterstützung der Klientinnen gilt die zu Beginn der Beratung transparent kommunizierte Vereinbarung: Es gilt, pünktlich zu erscheinen, bzw. Verspätungen (ab 20 Minuten) oder Absagen rechtzeitig zu kommunizieren (möglichst min. 3 Stunden vorher). Nach drei Mal unangekündigtem Verspäten oder Nicht-Erscheinen, wird das Gespräch gesucht und konkrete Lösungen erarbeitet oder eine Beratungspause eingelegt.
1.2 Ethische Grundlagen
Die Beziehung zwischen der Beraterin und der Klientin ist eine Arbeitsbeziehung, aus der sich während, sowie nach Abschluss der Beratung keine private Beziehung jedweder Art entwickelt.
Die Psychologische Beratung erfolgt nach den Berufsethischen Richtlinien des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Psychologinnen und Psychologen e.V. (Stand 2022), sowie unter Berücksichtigung der fachlichen Eigenverantwortlichkeit der Beraterin.
Die in den Richtlinien enthaltenden berufsethischen Prinzipien lauten “Achtung vor der Würde und den Rechten des Menschen”, “Kompetenz”, “Verantwortung” und “Integrität” und bilden die Arbeitsgrundlage der Psychologischen Beratung bei p.inkdoor.
1.3 Qualifikation der Beraterin
Die Psychologische Beratung erfolgt durch qualifizierte Beraterinnen:
- Master-/ Diplomabschluss in Psychologie oder eine vergleichbare Qualifikation
- Gesprächsführungskompetenzen, Kommunikationsfähigkeiten, Kooperationsbereitschaft, Flexibilität
- Emotionale Belastbarkeit
- Fortlaufende Weiterbildung (v.a. im traumatherapeutischen Bereich)
1.4 Kooperation und Vernetzung
Die Psychologische Beratungsstelle kooperiert mit weiteren Stellen, die ihre Arbeitsstelle betreffen, z.B. weitere (Online-)Beratungsstellen für Frauen mit Prostitutionsbezug oder Psychiatrische Einrichtungen. Es besteht stets das Bestreben, sich weiter zu vernetzen und in den Austausch zu treten.
1.5 Räumlichkeiten und Personal
Die Räume der Beratungsstelle p.ink door sind für die Beratung geeignet: Sie sind traumasensibel eingerichtet und es gibt einen angemessen ausgestatteten und konkret für die Beratung ausgerichteten Beratungsraum, welcher Privatsphäre und Verschwiegenheit ermöglicht. Die Ausstattung beinhaltet u.A. Emotionskarten und Skills. Auch für die Arbeit und Beschäftigung der Kinder der Frauen ist der Beratungsraum mit angemessener Ausstattung, z.B. Bücher und Spielzeug, geeignet.
Präsenzsitzungen finden ausschließlich im Beratungsraum des p.ink door Büros statt.
Bei Erstgesprächen, insbesondere wenn Hochrisikosituationen vorliegen oder die aktuelle Gefährdungslage durch die Fachkraft noch nicht abschließend eingeschätzt werden kann, ist die Anwesenheit von mindestens einer weiteren, qualifizierten Mitarbeiterin in der Beratungsstelle vorgesehen. Gleiches gilt für akute Hochrisikosituationen während der Fallbegleitung
Für Online-Sitzungen im Homeoffice wählen die Beraterinnen einen störungsfreien Ort, an dem der Laptopbildschirm nicht einsehbar ist und Gespräche für andere nicht hörbar sind. Beratung erfolgt ausschließlich durch weibliche Beraterinnen.
2. Prozessqualität
2.1 Rahmenbedingungen der Sitzungen
Eine Psychologische Beratungssitzung dauert 50 Minuten und eine kunsttherapeutische Intervention dauert 80 Minuten. Es wird sorgfältig darauf geachtet, diese 50 Minuten einzuhalten und nur nach Absprache mit der Klientin in einzelnen Fällen verlängert oder verkürzt, um einen sicheren, traumasensiblen Rahmen zu bieten. Sitzungen von kunsttherapeutischen Interventionen dauern
Die Frequenz der Sitzungen wird je nach Bedarf und Möglichkeit individuell mit der Klientin verhandelt, der Richtwert liegt bei einer Sitzung alle 1-3 Wochen.
Es sollen möglichst regelmäßige Termine zu gleicher Uhrzeit mit der Klientin vereinbart werden.
Die Methoden und Sitzungsinhalte werden während und nach der Sitzung ausreichend dokumentiert, datenschutzkonform gesichert und sind ausschließlich für die Beraterin und die Gesamtleiterin einsehbar.
2.2 Ausschluss psychologischer Beratung und Abbruchkriterien
Das Angebot von p.ink door beinhaltet Psychologische Beratung mit therapiebasierten und kunsttherapeutischen Interventionen. Die Psychologische Beratung ersetzt keine ambulante oder stationäre Psychotherapie und p.ink door bietet keine Diagnosestellung, Symptom- oder Heilbehandlung.
Dementsprechend kann eine Psychologische Beratung vor Beginn ausgeschlossen oder abgebrochen werden, wenn ein Fall nach Einschätzung der Beraterin (im Konsens mit dem sozialarbeiterischen Team und der Gesamtleitung) eindeutig das Angebot der Psychologischen Beratung übersteigt und eine ambulante oder stationäre Psychotherapie benötigt wird. Die Psychologische Beratung kann in diesen Fällen kurzfristig stabilisierend und als Krisenintervention unterstützen, es muss sich aber um eine angemessene Weitervermittlung (an eine PsychotherapeutIn oder Klinik) gekümmert werden.
In Einzelfällen kann die Psychologische Beratung parallel zu einer psychotherapeutischen Behandlung unterstützend wirken.
Folgende Symptome, Diagnosen und Umstände indizieren unter Anderem, dass der Bedarf einer Frau das Angebot der Psychologischen Beratung übersteigt: akute Suizidalität (s. Leitfaden Suizidalität p.ink door), Dissoziative Identitätsstörung, akute Psychosen, organisierte sexualisierte Gewalt, sonstige Notsituationen, die beispielsweise erfordern, dass die Frau an einem sicheren Ort untergebracht werden muss.
Außerdem kann eine Psychologische Beratung ausgeschlossen oder abgebrochen werden, wenn nach Einschätzung der Beraterin keine compliance besteht, was dementsprechend den Beratungsprozess verhindert.
Im Zweifelsfall entscheidet die Gesamtleiterin, ob ein Fall übernommen wird.
2.3 Methoden und Haltung der Psychologischen Beratung
Grundsätzlich erfolgt die methodische Arbeitsweise und Haltung der Psychologischen Beratung in Übereinstimmung mit den Werten von p.ink door: personenzentriert, kreativ, kollaborativ, traumasensibel, empowernd.
Methodisch gestaltet sich die Psychologische Beratung individuell je nach Fall. Grundsätzlich werden Interventionen angewandt, die in der Psychologischen Beratung und Psychotherapie als anerkannte und wirksame Interventionen gelten und für die die Beraterin ausreichend qualifiziert ist.
Die Haltung der Psychologischen Beratung bei p.ink door stimmt vor allem mit der der Systemischen Therapie überein. Dies beinhaltet die Haltung des Nicht-Wissens und die daraus entstehende Haltung der Neugier, sowie die Exploration durch (systemische) Fragetechniken. Darüber hinaus gründet sich die Psychologische Beratung auf eine Haltung der Neutralität, der Ressourcen- und Lösungsorientierung, des Respekts vor Autonomie, sowie der Annahme des guten Grundes.
2.4 Fallbesprechungen, Teamkooperation und Supervision
Je nach Bedarf, jedoch mindestens alle zwei Wochen, findet eine kollegiale Fallbesprechung zwischen den Arbeitsbereichen Sozialberatung und Berufsorientierung sowie Psychologische Beratung statt.
Einmal monatlich finden Teammeetings, sowie einmal pro Quartal Quartalsmeetings im gesamten Team statt.
Alle drei Monate nimmt jede Sozialarbeiterin Einzelsupervision bei einer externen Supervisorin in Anspruch.
Zweimal im Jahr nehmen alle Beraterinnen von p.ink door an einer gemeinsamen Supervision mit einer externen Supervisorin teil.
Bei Bedarf steht darüber hinaus eine Notfall-Supervisorin bereit, die in Krisenfällen unterstützend zur Seite steht.
2.5 Fort- und Weiterbildung
Die kontinuierliche fachliche Qualifizierung der Beraterin ist durch Teilnahme an Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen sichergestellt.
2.6 Einheitliche Prozesse
Für bestimmte Gesprächssituationen (Kennenlerngespräch, Aufnahmegespräch, Konfliktgespräch, Abschlussgespräch, Schutzkonzept) liegen interdisziplinär im Team erarbeitete und schriftlich festgehaltene, einheitliche Abläufe und Dokumente vor, die für die Arbeit verwendet und fortlaufend evaluiert und angepasst werden.
Im Rahmen dessen werden zu Beginn eines Beratungsprozesses die einheitlichen Regeln von p.ink door kommuniziert: 1. Respektvoller Umgang (keine Waffen, Drogen/Alkohol, sexuelle Handlungen; draußen rauchen; freundliche Sprache), 2. Konflikte offen ansprechen (s. “3.1 Beschwerdemanagement”), 3. Zuverlässigkeit und Mitarbeit (Handy auslassen, Pünktlichkeit, regelmäßige Teilnahme und rechtzeitige Absagen).
2.7 Vertraulichkeit und Datenschutz
Die Vertraulichkeit und der Datenschutz der Psychologischen Beratung
wird gewährleistet durch
- die Aufklärung der Klientinnen über die rechtlichen und fachlichen Rahmenbedingungen der Arbeit, insbesondere, dass sich die Mitarbeitenden verpflichten, sämtliche persönlichen, intimen und vertraulichen Informationen, die während der Begleitung bekannt werden, nicht an Dritte weiterzugeben und vertraulich zu behandeln.
- die Aufklärung der Klientinnen, dass Informationen, die für die Begleitung relevant sind, lediglich in p.ink door-internen Besprechungen unter den Sozialarbeiterinnen, der psychologischen Beraterin und der Gesamtleiterin ausgetauscht werden.
- die Aufklärung der Klientinnen, dass Fälle, in denen Kindeswohlgefährdung vermutet wird, dem Jugendamt gemeldet werden und bei akuter Suizidalität gegebenenfalls konkrete Hilfsmaßnahmen eingeleitet werden (z.B. Rufen des Rettungsdienstes).
- die Verpflichtung der Klientinnen selbst, sollte im Rahmen der Angebote p.ink doors Kontakt zu anderen Klientinnen zustande kommen, sämtliche persönlichen, intimen und vertraulichen Informationen, die während der Angebote bekannt werden, nicht an Dritte weiterzugeben und vertraulich zu behandeln.
- die Sicherstellung des Schutzes des Privatgeheimnisses auch im Telefon- und (digitalen) Schriftverkehr sowie in der elektronischen Datenverarbeitung.
- den vertraulichen Umgang mit der Adresse des p.ink door Büros.
3. Ergebnisqualität
3.1 Beschwerdemanagement
Für die Psychologische Beratung gilt die gleiche schriftlich fixierte Regelung für den Umgang mit Beschwerden von Klientinnen wie sie bei p.ink door grundsätzlich gilt.
Zunächst wird erbeten, das Gespräch mit der Beraterin selbst zu suchen. Falls sich dies als nicht wirksam oder ausreichend erweist, wird ein Gespräch mit der Gesamtleitung gesucht.
Als letzte Instanz kann der Vorstand kontaktiert und einbezogen werden.
Dieser Prozess wird zu Beginn der Beratung, sowie im Verlauf, transparent kommuniziert.
3.2 Evaluation
Zu Beginn des Psychologischen Beratungsprozesses findet eine Auftragsklärung und persönliche Zielsetzung statt. Dieser Auftrag und die Ziele werden während des Beratungsprozesses immer wieder aufgegriffen, evaluiert und wenn nötig angepasst oder erweitert, sowie zum Abschluss der Beratung ausführlich besprochen und evaluiert.
Sofern es für den Prozess und den individuellen Fall angemessen und sinnvoll erscheint, können außerdem bestimmte Parameter (z.B. Selbstwirksamkeit, subjektives Wohlbefinden) anhand evaluierter Fragebögen zu verschiedenen Zeitpunkten des Beratungsprozesses eingesetzt werden und die Ergebnisse gemeinsam besprochen werden.
